Und ein weiterer Test:
Vorab: Ich hab alle Tropico Teile gespielt. Und (abgesehen vom zweiten Teil) wurden sie immer besser. Und das ist zum Glück auch im 4. Teil der Fall.
Worum geht's? Man spielt den mächtigen Presidente auf einer nicht ganz so mächtigen Insel mit einer Handvoll von Menschen. Wird also Zeit dass zu ändern. Also bauen wir eine Wirtschaft auf und sehen wie Geld und Einwanderer in die Kasse kommen. Bis auf einmal etwas wie das hier passiert:
Wir haben 10.000 US-Dollar. Was machen wir mit diesem schönen Batzen Geld? Wir könnten es in die Wirtschaft investieren um noch mehr einzufahren. Doch bevor man zu dieser Entscheidung kommt, nervt uns unser kommunistischer Berater: "Presidente! Wir brauchen mehr Wohnungen für das Volk!" Okay, könnten wir machen, dann wäre das Geld aber futsch. "Presidente! Wir verlangen eine Kirche!" "Presidente! Es ist Zeit eine Oberschule zu errichten!" "Presidente! Die Nachbarsinsel hat mehr Soldaten wie wir! Das müssen wir sofort ändern!" "Presidente! Ich wurde heute von Kriminellen ausgeraubt! Machen sie was dagegen!" (usw.)
In Tropico 4 ist das Volk leider kein dummer Haufen der ein paar Bedürfnisse wie in Anno oder SimCity hat. Jedes Individuum hat seine einzelnen politischen Ansichten. Und es gibt folgende Parteien:
- Kapitalisten: Stehen hinter Wirtschaft und Tourismus
- Kommunisten: Wollen das Volk glücklich machen
- Religiöse: Christliche Spinner
- Umweltschützer: Wollen dass Mutter Natur bewahrt wird.
- Militaristen: Wollen eine rießige gutbezahlte Armee
- Nationalisten: Wollen alle Ausländer rausschmeissen
- Intellektuelle: Stehen hinter Bildung und freier Presse.
- Loyalisten: Wollen lauter Statuen von El Presidente errichten lassen.
Noch nicht komplex genug? Stimmt. Es fehlen noch die Großstaaten:
Europa, USA, UdSSR, Europa, Naher Osten und China.
Vor allem USA und UdSSR sind wichtig, denn das Spiel findet während des kalten Krieges statt. Dementsprechend wollen die zwei Großmächte sich in alles einmischen und die Insel zu deren Verbündeten machen.
Ach, das Volk will übrigens auch regelmäßig eine neue Presidentenwahl die man gewinnen muss halten.
Und Rebellen, die alles stürzen wollen gibts auch.
Oh, Naturkatastrophen gibts auch.
Tropico 4 ist komplex und kann einem am Anfang schnell überwältigen. Doch das Spiel hat viele Tipps (durch Berater) und Ähnliches eingebaut damit man diversen Problemen schnell entgegenwirken kann. Knackig ist das Spiel trotzdem, man kann sich zwar anfangs recht leicht es allen Recht machen, spätestens dann wenn jedoch die Priester eine Kathedrale verlangen während die Militaristen Aufrüstung fordern muss man sich entscheiden.
Wer den 3. Teil kennt, wird sich im 4. schnell zurechtfinden. Es sind nur verhältnismäßig wenig neue Sachen gekommen, zumindest auf dem ersten Blick. Doch im direkten Unterschied ist T4 um einiges komplexer und fordernder als 3.
Das Gebäude bauen etc. auf der Insel ist auch nicht gerade unkompliziert. Eine gute Infrastuktur von allem ist wichtig um das Volk und die Wirtschaft auf guter Laune zu halten.
Der Schwierigkeitsgrad ist anfangs knackig. Wenn man jedoch eine gute Taktik hat, um eine starke Wirtschaft aufzubauen kommt man in Tropico schnell zurecht.
Und dadurch kommen auch lange Durststrecken.
Es gibt 20 Missionen. Jede spielt von vorne auf einer neuen Insel, in der man diverse Quests erfüllen muss. (z.B. 100000 durch Tourismus verdienen.) Dadurch darf man jedes mal von vorne nach Schema F die Insel aufbauen. Das kann manchmal sehr eintönig sein. Schön jedoch sind die kreativ ausgedachten Missionen. Beispielsweise möchte der Amerikanische Botschafter die Insel besuchen. Dafür braucht man ein Luxushotel. Dann kommt er an und wird bei einem "Akt" mit den Dienstmädchen fotographiert. Daraufhin entscheidet man sich,
ob man das Bild zerstört (Verbesserte Bedinungen zu USA),
den Botschafter erpresst (25000 Dollar)
oder es veröffentlicht (Schlechtere Bedinungen zu USA, durch die "Werbung" kommen jedoch mehr Touristen).
Eine Mission kann schonmal eine Stunde oder noch länger brauchen. Ich habe im Schnitt sogar 90 Minuten pro Mission gebraucht (Und ich bin eher ein Tropico-Veteran).
Der Soundtrack ist stimmig und schön anzuhören, und wird auch nach 30 Stunden nicht zum Ohrenkrebs. Die deutschen Sprecher sind verdammt gut, die Texte ebenfalls.
Die Grafik ist vollkommen ok, sie glänzt nicht durch tolle Kantenglättung oder großen Texturen, aber schön anzusehen sind die Inseln allemal.
Während des Spiels hatte ich fast keine Bugs. Ein Einziger hat mich etwas genervt, weil ich eine Person ausschalten musste, es aber einfach nicht ging. So musste ich nochmal 10-20 Minuten warten, bis er an Altersschwächte gestorben ist.
Pro:
+ Sehr viel Umfang
+ Schöne Grafik, toller Soundtrack, Exzellente Sprecher
+ Unfassbar guter Humor, meistens auch satirisch angehaucht.
Contra:
- Auf Dauer sehr eintönig und manchmal langweilige Durststrecken (Vor allem beim Erbauen von Gebäuden.)
- DLCs (mehr dazu unten)
- Wenn man den Dreh raushat sind viele Missionen zu leicht.
Fazit:
Ich geb dem Spiel 8.5 von 10.
Wer gerne komplexe Aufbauspiele mag, und von SimCity (zurecht) abgeschreckt wurde, dem würde ich T4 empfehlen.
Eine Sache ist jedoch ärgerlich:
Ich habe eine Steam-Aktion gehabt und dadurch Tropico mit allen DLCs erhalten. Diese enthalten jeweils ein neues Gebäude und kleinere Sachen. Die Gebäude sind meistens sehr cool, jedoch sind diese DLCs im Normalpreis von 4€ hoffnungslos überteuert.
Das Gesamtpacket mit allen DLCs und Addon kostet auf Steam 40 Euro. Ob man soviel dafür ausgeben will, sei jedem selbst überlassen.
Das Addon Modern Times habe ich noch nicht gespielt und kann deswegen noch nichts dazu aussagen.