ein Jahr lang habe ich nun mit meiner fast schon Fanboy-artigen Freude über die Ankündigung von 2K Games' "Mafia II" genervt, dann habe ich nach dem offiziellen Release auf Grund verschiedener Ereignisse ziemlich lange gebraucht, um das Spiel rund um den jungen Vito Scaletta fertig zu spielen. Ein kleines Fazit hatte ich schon zur Demo gegeben (Klick) mit der ich insgesamt doch sehr zufrieden war. Dagegen ist mein Feedback zum Hauptspiel gar nicht so rosig, wie ich es mir erhofft hatte, und doch, habe ich jede einzelne Minute Spielzeit genossen. Aber alles der Reihe nach:
Ich will mich bei der inhaltlichen Vorstellung möglichst kurz fassen: Vito Scaletta, Sohn italienischer Einwanderer und sesshaft in der fiktiven amerikanischen Stadt Empire Bay, die dem New York der 40er/50er sehr ähnelt, kommt als Kriegsverletzter der US Army 1944 aus einem Einsatz im vom Mussolini regierten Italien zurück in die Staaten, um seine Familie zu sehen. Sein bester Kumpel Joe Barbaro, mit dem Vito zusammen schon als Jugendlicher kriminell aktiv war, besorgt ihm falsche Papiere um in den USA zu bleiben. Joe, der schon in die Mafia-Gesellschaft Empire Bays eingestiegen ist, zieht auch Vito so langsam mit rein. Vito lernt während seines neuen Lebens als Mafioso Kollegen wie Henry Tomasino und Eddie Scarpa, seinen späteren Mafiaboss Don Alberto Clemente, den zeitweise Mitgefangenen Leo Galante und auch andere tragische Gestalten wie den jungen Verwandten von Joe, Marty Santorelli kennen. Tragisch ist das Stichwort, denn tragisch geht es in der Story zu. So sterben eine Menge von Leuten in Vitos Umfeld, oft auch sehr unerwartet.
Allgemein ist die Story brutal - eben im Stil eines guten Mafia-Films. Auf Werte wie Freundschaft, Vertrauen, Hass, Gier, Verrat, Ratlosigkeit wird in dieser Story, die reif für einen Mehrteiler für das Kino ist, stark fokussiert und das führt auch zu einem starken Mitgefühl beim "Zuschauer"/Spieler (zumindest war dies bei mir so). Dass das Ende von MafiaII sehr plötzlich kommt und das intensive "Happy End"-Gefühl in wenigen Sekunden vollständig zerstört wird, regt nicht nur mich, sondern einen Großteil der MafiaII-Community auf, wie ich die letzten Tage im Internet feststellen musste. Hier habe ich einen kleinen Spoiler geschrieben, der das Ende ein wenig näher beschreibt. Lest ihn euch nur durch, wenn ihr euch sicher seid, dass ihr das Ende schon vorher wissen wollt oder dass ihr das Spiel niemals spielen werdet. Trotz diesem Ende gefiel mir die (leider etwas zu kurze) Story in Mafia II außerordentlich gut, ich habe jede Videosequenz genossen und freue mich auf die ganzen Addon-Packs, die angekündigt wurden.
Viele Personen aus Vitos Umfeld sind gestorben. Schuld daran ist aber auch Vito ein wenig: Durch Henry's Drogenhandel mit einer chinesischen Mafia-Bande und seinem darauffolgenden Tod wollen sich Vito und Joe rächen und starten ein Massaker in Empire Bay's Chinatown. Die Chinesen gehen davon aus, dass Don Clemente die beiden geschickt hat und damit bricht ein Krieg unter den Familien der Stadt aus.
Leo Galante, der sich als langjähriger Freund von Vito weigert, Vito deswegen umzubringen, gibt ihm die letzte Chance indem er ihm den Auftrag gibt, Don Carlo Falcone umzubringen. Nachdem man in der letzten Mission Carlo killt und auch Joe glücklicherweise noch lebt, will Leo das Ende des Kriegs feiern lassen, bittet aber Vito in seinen Wagen und Joe steigt in einen anderen ein.
In der Endszene sieht man wie das Auto, indem Joe sitzt irgendwann abbiegt und Vito fragt sich, was das soll. Leo antwortet nur: "Sorry Vito, this was not part of our deal." Man kann damit vermuten, dass Joe als Mitschuldiger für den Ausbruch des Kriegs unter den Mafia-Familien von den Leuten Don Vincis umgebracht wird - schließlich sah die letzte Chance für Vito nicht die Rettung Joes vor. Ich konnte mich an dem Tag ärgern wie ich wollte, das Ende hat mich so aufgeregt, dass ich unbedingt einen Nachfolger sehen wollte. Jedoch passt dieses Ende zum Stil der Story.
Aber am Besten ist es, ihr schaut es euch selber an.
Das Spiel punktet in vielen Bereichen
Nicht nur die Story ist aus meiner Sicht gelungen, das Spiel punktet auch in Sachen Feeling, verstärkt durch den sehr realistischen filmnahen Look, der passenden Musik (wenn dann im Autoradio Dean Martin läuft fühlt man sich selber um 60 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzt) und den schön modellierten Gebäuden und einzigartigen Umgebung. Die Grafik ist in einigen Bereichen Spitzenreiter der heute existierenden Spielen und einzig an meinem so langsam in die Jahre kommenden PC kann ich Kritik üben, das Spiel hätte ich gerne auch auf der höchsten Grafikstufe gespielt. Übrigens ist der Grund dafür, dass ich die englische Version des Spiels spielen wollte der, dass ich die deutsche aus den Trailern wenig mochte und sie für mich das Feeling ein wenig eindämmt. Die Dialoge auf englisch passen einfach zusammen, dieser amerikanische Humor ist glaube ich, schwer ins Deutsche zu übersetzen. Meiner Meinung nach wirken im Deutschen Schimpfwörter wie "Wichser" und "Arschloch" härter als die englischen "asshole" und "jerk", deswegen ist auch die Stimmung im Englischen "familiärer" und weniger ernst als in der deutschen Fassung.
Zudem kommt eine Riesenauswahl an 50er-Schlitten, die sich auch wie Oldtimer fahren lassen (ungenaue Steuerung), aber das macht das Spiel immerhin realistischer, auch wenn es viele bestimmt stören wird. Vielleicht sollte man diesen Leuten das Spiel "Need for Speed" empfehlen.
Auch an Waffen mangelts in diesem Spiel nicht. Von edlen Revolvern über MGs und Thompsons zu den Shotguns: Hier ist für jeden was dabei.
Ein nettes Gimmick sind die sammelbaren Playboy-Poster und die Artworks und Wanted-Poster.
Ich habe es schon am Anfang ein wenig erwähnt, Mafia II erfüllt nicht die Hoffnung die ich hatte. Der gröte Kritikpunkt ist eigentlich, dass man nach dem regulären Ende der Story nicht mehr, wie in anderen Spielen, in einer freien Welt spielen kann. Das heißt meine Autosammlung, für die ich so viel für Reparatur, Tuning uns Lackieren gezahlt habe, kann ich nicht weiter ausbauen oder überhaupt nutzen. Aufträge wie in GTA gibt es abseits der Story sowieso kaum. Man kann zwar Restaurants, Kleidungs- und Waffengeschäfte überfallen und ausrauben, die Bevölkerung abschießen, Autos klauen usw, aber das wird nach Zeit auch langweilig, vor allem wenn man dann den Dreh raus hat und das keine Herausforderung mehr ist.
Die vom Entwicklerstudio angekündigte Möglichkeit, mit Taxi, Bus und U-Bahn fahren zu können stellte sich als Fehler heraus, sowas ist in MafiaII nicht möglich, was ich äußert schade finde. Ebenso ist es auch mit dem Fitness-Studio, das man anfangs als Möglichkeit für den Stärkeanstieg nutzen wollte, jedoch aus Zeitgründen (wahrscheinlich) wieder fallen ließ.
Eine Respekt-Anzeige, wie es sich für ein Mafia-Spiel eigentlich gehört, vermisse ich auch.
Aber extrem habe ich mich über die fehlende Funktion des eigenmächtigen Erwerbens von Häusern und Wohnungen geärgert. Die "Villa Scaletta", die man zu einem späteren Zeitpunkt des Spiels käuflich erwirbt (anscheinend völlig legal) ist zwar ganz schön, aber die Häuser auf diesem Hügel, wo auch der Doctor "El Greco" wohnt fand ich noch ein Stück hübscher. Aber dies kann man leider nicht selber wählen.
Fazit:
Wie ihr sehen könnt, bin ich teilweise wirklich schockiert, wie wenig 2k Czech aus diesem Potential gemacht hat. Trotzdem darf man bei aller Kritik nicht das Positive vergessen, und für mich überwiegt dies, schließlich habe ich mich in dieses Spiel verliebt und würde es auch gerne noch öfters durchspielen. Die vielen Updates und DLCs lassen vermuten, dass das Entwicklerstudio versäumte Sachen zumindest zum Teil nachholt, die Story vielleicht sogar noch weiterführt und die Mafia-Fans noch mehr Stunden Spielspaß bringt.
Ich kann es Fans des ersten Teils, sowie von Spielen wie GTA nur empfehlen, da es in diesem Bereich so oder so eine wahre Bereicherung ist. Wer sich allgemein für Kino und Filme interessiert wird dieses Spiel auch mögen, also greift ruhig zu!
Wer einen guten PC hat, ist mit der PC-Version sowieso gut bedient - denn die Konsolenversionen haben grafische Einschränkungen, die auf dem PC beeindruckend wirken.
-Spielrezension von PoH|EreborsHope alias Andy
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